Vielleicht habt Ihr bereits bei der Widmung dieses Buches gestutzt. „Nafishur – Draco Adest. Dariel“ steht ganz im Zeichen eines Menschen, an den ich gern erinnern möchte.

Bücher sind ein Weg, unsterblich zu sein. Sie sind ein Medium, das einen Teil von uns hier „unten“ und erreichbar für alle sein lässt. Ich bin Wing in der Autorencommunity Author Wing, wie einige von Euch sicher wissen. Das ist ein Autorenpatenschaftsprojekt, das ich Euch nur empfehlen kann. Einer meiner ersten „Schützlinge“ dort war Christian. Über Monate haben wir uns gegenseitig über das Schreiben ausgetauscht und ich habe versucht, ihn auf seinem Weg zum ersten eigenen, veröffentlichten Buch zu unterstützen. Zugleich war Christian in dieser Zeit auch eine riesige Hilfe für mich, denn er zeigte mir, dass nichts unmöglich ist.

Christian schrieb seinen Roman vom Rollstuhl aus – erst mittels Irissteuerung und dann mittels Sprachsteuerrung. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er einerseits begeistert war von den neuen Möglichkeiten, und andererseits darüber fluchte, dass eine Diktierfunktion nicht für Fantasyliteratur gemacht wäre. Aber allen Hindernissen und Tiefs zum Trotz schrieb er weiter. Und dieser Optimismus und diese Schaffenskraft steckten an. Er schrieb mir einmal „Das schlimmste wäre eigentlich, wenn der Roman nie veröffentlicht wird.“ und ein anderes Mal „Wobei ich mir irgendwie nicht wirklich vorstellen kann, dass ich am Romanschreiben scheitern werde. Mag sein, dass es noch Jahre dauert, aber schaffen kann ichs sicher.“. Und ich bin mir sicher, dass Christian es geschafft hätte. Wenn er nicht plötzlich und ungeplant einen anderen Weg eingeschlagen hätte müssen. Am 16.Juni 2018 verstarb er über Nacht. Seine Schwester meldete sich kurze Zeit später, um mir diese Botschaft zu überbringen.

Dass mein Schützling plötzlich nicht mehr da sein sollte, ließ mich lange nicht los und ich suchte nach einem Weg, sein Werk, seine Idee, seine Welt zu retten – oder wenigstens ein Stück davon.

Ich schlug seiner Familie dann etwas vor, das ich mit mir vereinbaren konnte, und von dem ich glaubte, dass es Christian gefallen würde: Seine Welt war noch nicht ausgefeilt genug und ich wollte auch nicht die Geschichte eines anderen schreiben. Aber was ich tun konnte, war seinen Protagonisten zu retten: Sherko.

In Christians Welt, der Nebelwüste, war Sherko ein Eliteschwertkämpfer, der eine lange und strenge Ausbildung am Palast hinter sich hat und zur Zeit der Geschichte Anfang 20 ist. Er kam schon als kleiner Junge von 5 Jahren an den Palast und wurde dort großgezogen. Seine Haut ist blass, sein Haar weißblond und seine Statur – passend zum Job – athletisch. Er war attraktiv, bis ein Gift sein Gesicht etwas entstellte. Er pflegt einen höflichen Umgangston, ist neugierig und furchtlos.

Bis auf die Entstellung durch das Gift, habe ich ihn – so hoffe ich zumindest – in dieser Form in Nafishur willkommen geheißen und meine Geschichte für ihn etwas umgeschrieben. Mein Wunsch ist es, durch Sherko ein Stück von Christian weiterleben zu lassen. Ich hoffe, ihr mögt diese Figur so sehr, wie sie mir ans Herz gewachsen ist. Der Gedanke, dass Sherkos jetzige Heimat mit Xamax ein Palast in den Wolken ist, gefällt mir.